Der Forstbetrieb Mayr-Melnhof unterhält einen eigenen Forstgarten. Auf ca. 8 ha Betriebsfläche werden rund 500.000 Pflanzen pro Jahr produziert. Angebaut werden fast alle heimischen Hauptbaumarten der entsprechenden Herkunftsgebiete und der dazu passenden Höhenstufen mit dem Schwerpunkt auf Fichte und Lärche. Der überwiegende Teil ist für den eigenen Forstbetrieb bestimmt, Teilmengen werden aber auch an Dritte verkauft. Anfragen und Informationen sind über die FV Pfannberg oder direkt im Forstgarten zu bekommen.
Die Pflanzenzucht wird im Forstbetrieb Mayr-Melnhof schon seit mehreren Generationen betrieben. Hatten früher fast alle Reviere eigene Forstgärten, wurden diese zwischen 1966-70 zu einem Zentralforstgarten zusammengelegt.

Ziele:
Ziel des eigenen Forstgartens ist die sichere Versorgung des Forstbetriebes mit angepasstem und genetisch hochwertigem Pflanzgut mit Herkünften, welche dem eigenen Wald entstammen.
Um diese Versorgung sicher zu stellen und gleichzeitig die Qualität der Pflanzen zu steigern, werden sowohl die generative als auch die vegetative Vermehrung angewendet. Überdies befinden sich hochwertige Samenplantagen von Nadel- und Laubbäumen im Aufbau.

Generative Vermehrung:
Die generative Vermehrung ist die wichtigste Vermehrungsart:
Die Erntebestände befinden sich ausschließlich in eigenen Wäldern. Sie werden nach den Regelungen des Forstlichen Vermehrungsgutgesetzes von 2002 vom Bundesamt für Wald ausgewiesen und zugelassen. Hierdurch wird gewährleistet, dass nur überdurchschnittlich gutes Saatgut zur Nachzucht verwendet wird. In Samenjahren erfolgt die Beerntung zugelassener Bestände.

 

 
 

     
Diese sind so ausgewählt, dass für alle im Forstbetrieb Mayr-Melnhof vorkommenden Herkunftsgebiete (3.1 Östliche Zwischenalpen – Nordteil, 3.2 Östliche Zwischenalpen – Südteil, 5.3 Ost- und Mittelsteirisches Bergland) und Höhenlagen Bestände zur Verfügung stehen.
Die hierbei gewonnene Samenmenge übersteigt den jährlichen Bedarf um ein Vielfaches. Dadurch kann auch in Nichtsamenjahren eine kontinuierliche Versorgung mit Forstpflanzen gewährleistet werden.
 
Samenplantagen:
Um die Qualität des Pflanzgutes auf ein Höchstmaß zu steigern, hat der Betrieb damit begonnen Samenplantagen für Fichte, Lärche, Bergahorn, Vogelkirsche und Esche anzulegen. Diese Samenplantagen sind so genannte Plusbaumsamenplantagen, die nur aus ausgewählten Mutterbäumen stammen. Diese Mutterbäume sind die qualitativ hochwertigsten Bäume des gesamten Forstbetriebes.
     

Vegetative Vermehrung:
Im Gegensatz zur generativen Vermehrung findet bei der vegetativen Vermehrung keine geschlechtliche Fortpflanzung statt. Die Vermehrung erfolgt über Pflanzenteile, so genannte Stecklinge. Ein Steckling ist ein Pflanzenteil (Trieb) der von der Mutterpflanze abgeschnitten wird und durch technische Maßnahmen (Temperatur, Feuchtigkeit) zur Bewurzelung gebracht wird. Dieses Verfahren erzeugt genetisch identische Nachkommen. Um die genetische Vielfalt zu erhalten, werden die Stecklinge von besonders ausgewählten Mutterpflanzen unterschiedlicher Herkunft geerntet. Bekannt ist dieses Verfahren seit langen Jahren aus der Landwirtschaft, dem Zierpflanzenanbau und dem Anbau von Pappel und Weide. Bei Mayr-Melnhof ist es gelungen, auch die Hauptbaumart Fichte über Stecklinge in wirtschaftlich relevantem Umfang zu vermehren.

Gründe für die Entwicklung der vegetativen Vermehrung bei Mayr-Melnhof:
In den 80er Jahren gab es in Österreich eine massive Verknappung von zugelassenem Saatgut (fehlende Samenjahre). Um die Sicherstellung von herkunftsgesichertem Pflanzmaterial zu gewährleisten und aus wirtschaftlichen Überlegungen (Wuchsüberlegenheit), wurden ab 1987 erste Versuche mit vegetativem Vermehrungsgut unternommen. Mittlerweile ist das Verfahren für den eigenen Betrieb zur Praxisreife entwickelt. Pflanzgut aus vegetativer Vermehrung wird im eigenen Forstbetrieb seit mehreren Jahren in den Kulturen verwendet. Vergleichsmessungen zu generativ vermehrtem Pflanzmaterial zeigen sehr positive Ergebnisse.